Was ist Selfcare für dich? Diese Frage stellt Rani Gindl in ihrer Blogparade – und ich fühle mich hin- und hergerissen.
Weil ich das Thema einerseits (und besonders in der Selbstständigkeit) für elementar wichtig halte. Und gleichzeitig ist da auch ein gewisser Widerstand, über dieses Thema zu schreiben. Weil mir der Begriff Selfcare gefühlt an jeder Ecke begegnet und sich inzwischen so abgenutzt hat, dass ich ihn manchmal nicht mehr hören kann.
Auf der anderen Seite kann die Selbstfürsorge ja nichts dafür, wenn sie oberflächlichen Werbekampagnen, Social Media und Influencer-Marketing zum Opfer fällt.
Denn Trends kommen und gehen. Und letztlich geht es um das, was bleibt, wenn alle schon wieder dem nächsten Trend hinterherjagen. Die Essenz, den Wert und die tiefere Bedeutung von Selbstfürsorge. Nicht auf Instagram, sondern im echten Leben.
Und vielleicht ist Ranis Blogparade gerade deshalb so wertvoll, weil sie einen tieferen Einblick und unterschiedliche Perspektiven auf das Thema Selfcare ermöglicht. Und das kann für jeden von uns etwas anderes bedeuten.
Was also ist Selfcare für mich?
Im Grunde wissen wir alle, worum es geht. Und falls nicht: Da draußen gibt es tonnenweise Tipps und Anleitungen, um deine ganz persönliche Selfcare-Praxis zu finden.
Und das alles ist wichtig und wertvoll.
Das Problem ist nur, dass wir Selbstfürsorge oft wie ein Pflaster auf einen erschöpfenden und total überladenen Alltag kleben. Davon wird unser Alltag aber nicht besser.
Weil Selfcare nun mal kein Allheilmittel ist, mit dem wir uns immer wieder selbst verarzten können, damit wir das Leben dazwischen irgendwie aushalten.
Deshalb will ich in diesem Blogartikel weniger über Selfcare-Routinen sprechen, sondern
- Was Selbstfürsorge für mich persönlich (und speziell im Business) wirklich bedeutet
- Wann Selfcare sich in Selbstbetrug verwandelt (und ob wir das überhaupt merken)
- Ob Selbstfürsorge auch im Krisenmodus funktioniert (an meinem persönlichen Beispiel)
- Wo Selfcare eine natürliche Grenze erreicht (und was wir dann tun können)
Warum es mehr braucht als Selfcare-Tipps
All die Selfcare-Tipps sind gut und schön, wenn unser Leben im Großen und Ganzen in Balance ist. Aber sie nützen nichts, wenn du zwischen deiner Morgenroutine und Abendmeditation im Dauer-Hustle bist und das Gefühl hast, im Alltag zu ertrinken.
Wenn Selfcare nur eine Atempause zwischen Überforderung, Zeitnot und Erschöpfung ist. Wenn das ständige Funktionieren und alles, was tagtäglich auf uns einprasselt den Lebensrhythmus bestimmt.
Ich sehe Selfcare nicht als Tool, um einen Ausgleich zum stressigen Alltag zu finden. Sondern eher als eine Art Commitment für uns selbst, das wir abseits von Yogamatte, Me-Time und Achtsamkeitspraxis mitnehmen dürfen und müssen.
Denn da findet unser realer Alltag statt. Und dort prallt unsere soeben liebevoll absolvierte Selfcare-Routine oftmals auf eine andere Lebensrealität.
Was Selfcare in der Selbstständigkeit für mich bedeutet
In der Selbstständigkeit und insbesondere im Homeoffice sind die Übergänge zwischen Privat- und Berufsleben oft fließend und ohne klare Abgrenzung.
Das gilt umso mehr für feinfühlige, introvertierte oder kreative Selbständige, die sich intuitiv durch ihr Business bewegen und sich schnell überrollt fühlen, wenn viel auf sie einstürmt.
Deshalb geht es bei Selfcare im Business um mehr als ein paar gesunde Routinen, die den Dauerstress abfedern sollen. Es geht um eine bewusste Haltung, die dich im Business trägt. Nicht nur durch gute Zeiten. Auch durch Chaos, Unsicherheit, Zweifel.
Selfcare im Business bedeutet Selbstführung und Verantwortung für unsere Grenzen und Bedürfnisse, damit wir uns nicht in fremdbestimmten Strukturen verlieren.
Es geht darum, dich in deiner Selbstständigkeit so auszurichten, dass du fürsorgliche Entscheidungen für dich und dein Business treffen kannst, egal wie turbulent es gerade zugeht.
Selbstfürsorge als bewusste Haltung im Leben und Business
Selfcare ist kein Standard-Konzept, sondern ein höchst individueller Prozess, der sich an dein Naturell und deine persönlichen Bedürfnissen anpassen sollte.
Als intuitive, kreative oder introvertierte Selbstständige brauchst du nicht nur andere Bedingungen und Rhythmen, um dich aufzutanken und zu regenerieren.
Du brauchst wahrscheinlich auch anderes Marketing und andere Business-Regeln, um dich zu entfalten und mit der Welt zu interagieren.
Wenn dich Social Media anstrengt und überreizt, wenn viele Meetings dich überfordern, wenn Offline-Events dich erschöpfen, du aber in kleinen Co-Workings oder Masterminds aufblühst – dann bedeutet Selbstfürsorge, deine Business-Strukturen und deinen Marketing-Rhythmus an genau diese Bedürfnisse anzupassen.
Wenn du immer wieder deine persönlichen Grenzen überschreitest, weil andere dir ständig sagen, dass du deine Komfortzone verlassen musst, um erfolgreich zu sein, darfst du deine Komfortzone sogar noch erweitern. Weil deine Kriterien für Erfolg und gesundes Wachstum vielleicht ganz woanders liegen und große Bühnen, lautes Marketing und Höher-schneller-weiter-Prinzipien gar nicht dein Ziel sind.
In Business scheint sich alles ständig um Umsatz, Wachstum, Zielgruppen und erfolgreiche Angebote zu drehen. Und ja, natürlich brauchen wir eine solide Basis, bestimmte Kennzahlen und eine Selbstständigkeit, die uns auch finanziell trägt.
Aber Selbstfürsorge im Business bedeutet eben auch, wie und zu welchen Bedingungen du diese Kennzahlen in dein Wertesystem, deine Business-Vision und den tieferen Sinn und Antrieb deines Wirkens einordnest.
Slow Business als Selbstfürsorge-Anker
Selfcare in der Selbstständigkeit ist im Grunde eine fortlaufende Entwicklung, in der du dich selbst immer besser kennenlernen und dir selbst vertrauen darfst. Damit du lernst, was dir wirklich guttut und welche Rhythmen, Routinen und Menschen dich nähren und wachsen lassen.
Dafür brauchen wir erst einmal ein Bewusstsein darüber, welche Muster und Verhaltensweisen uns auszehren und erschöpfen. Das können bestimmte Kunden sein, bestimmte Arbeitsweisen, aber auch Abläufe oder Strukturen, die sich gegen unsere Natur, unsere Werte oder unsere Art und Weise richten, Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten.
Wenn wir das ignorieren, kann es sehr schnell passieren, dass wir Angebote entwickeln, Marketing-Strategien verfolgen oder Verkaufskonzepte umsetzen, die sich für uns vollkommen falsch anfühlen, von denen wir aber denken, dass wir sie brauchen, um erfolgreich zu sein.
Selfcare bedeutet also auch ein deutliches Nein, wenn wir ganz klar fühlen, dass etwas für uns der falsche Weg ist. Auch wenn es aus rationaler oder wirtschaftlicher Sicht auf den ersten Blick keinen Sinn ergibt.
Denn die Energie, die wir verlieren, wenn wir Konzepten folgen, die nicht zu uns passen, kostet uns mehr als Aufträge und Umsatz. Sie kostet uns unsere Authentizität, unsere Lebendigkeit und das, was unsere Vision und Entfaltung im Business trägt.
Deshalb bedeutet Selfcare vor allem, sich selbst gut zu beobachten und ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, wann du in deinem Business in Balance und im Flow bist und in welchen Bereichen alles ins Stocken gerät, dich erdrückt und dir die Luft zum Atmen nimmt.
Denn wenn wir erst einmal komplett vereinnahmt sind vom Business-Alltag, nur noch funktionieren und reagieren, dann rutschen wir auch schnell wieder aus unseren Selfcare-Basics, unterdrücken unsere Bedürfnisse, vernachlässigen gesunde Routinen und alles, was uns guttut und ausbalanciert.
Damit ich mich in meinem Business wirklich zu Hause fühlen und in meinem eigenen Rhythmus leben und arbeiten kann, folge ich in meiner Selbstständigkeit dem Slow Business Prinzip.
Wo Selfcare aufhört und Selbstbetrug anfängt
Unser Marketing und Business fordern uns geradezu heraus, nach außen zu glänzen. Auch wenn es gerade gar nicht läuft. Denn wer will schon von jemandem kaufen, der selbst gerade schwächelt.
Wir haben Angst, im Sichtbarkeits- und Verkaufsdruck nicht zu bestehen, wenn wir uns nicht einreihen und unsere Expertise herausputzen. Aber es läuft eben nicht immer alles rund und es geht uns auch nicht immer gut.
Und im Grunde genommen täuschen wir ja nicht nur die Menschen da draußen, sondern auch uns selbst, wenn wir nach außen das Gegenteil präsentieren.
Deshalb bedeutet Selfcare im Business auch einen ehrlichen Blick darauf zu werfen, wie echt das ist, was wir mit anderen teilen.
Zeigen wir uns immer nur von unserer besten Seite, mit unseren Erfolgen und Meilensteinen? Beißen wir die Zähne zusammen und lächeln nach außen, obwohl gerade alles zusammenbricht?
Was tun wir, um die Anforderungen im Business mit unseren Bedürfnissen in Einklang zu bringen? Wo erlauben wir uns, weich zu werden und auszuruhen, statt uns ständig weiter voranzutreiben?
Sind wir nicht viel fürsorglicher, menschlicher und nahbarer, wenn wir uns mit allem zeigen, was wir sind und was unsere Selbstständigkeit kennzeichnet? Auch die Stolpersteine, Rückschläge und Phasen, in denen wir nicht wissen, wie es weitergeht?
Auch das ist Selfcare – anzuerkennen, dass unser Business und wir als Mensch nicht auf Knopfdruck funktionieren, sondern in zyklischen Bewegungen durch Höhen und Tiefen gehen. Und dass es vielleicht genau das ist, was uns und unseren Weg auszeichnet, was echte Verbindung schafft.
Und wenn wir alles wegdrücken, kaschieren oder verurteilen, was nicht so rund läuft, ist das ja weder authentisch noch besonders fürsorglich.
Selfcare in Krisenzeiten – ein persönlicher Einblick
Das letzte Jahr hat mich ziemlich durchgerüttelt. Es war ein schwieriges Jahr mit notwendigen, aber schmerzlichen Entscheidungen.
Und ich weiß, dass es nicht nur mir so geht. Viele Selbstständige waren 2025 am Struggeln oder sind es immer noch. Ich habe das immer wieder gehört, aber eher hinter vorgehaltener Hand oder versteckt zwischen den Zeilen konnte man herauslesen: „Ja, es lief nicht so gut letztes Jahr.“ „Es war herausfordernd.“ „Ich musste ganz schön kämpfen“. „Der Markt hat sich verändert“. „Ich musste mir einen Nebenjob suchen“.
Vieles bricht auseinander. Wir können das alle spüren oder haben es am eigenen Leib erfahren. Alte Strukturen brechen auseinander, vertraute Strategien oder erprobte Erfolgsrezepte greifen nicht mehr.
Die Welt ist in Aufruhr und das Bedürfnis nach Sicherheit ist groß. Diese Angst und Ungewissheit, die Sehnsucht nach Stabilität katapultiert uns manchmal zurück in alte Muster. Mir ist es jedenfalls so ergangen.
Ich wollte auch nicht so genau hinschauen. Ich habe einiges losgelassen, verändert und erneuert. Aber das war kein Prozess in Flow und Leichtigkeit, vieles habe ich unter Druck, Anspannung und Existenzangst aus mir herausgepresst. Und oft war ich auch wie erstarrt und konnte gar nichts bewegen.
Innere und äußere Stabilität
Es war ein Jahr, dass mich in die Knie und zu Kompromissen gezwungen hat, die sich schwer anfühlen, aber mich über Wasser halten. Und das ist unglaublich anstrengend. Es fühlt sich nach ständigem Kämpfen und Abstrampeln an. Nach Atemnot, Enge und Luftschnappen.
Und ich frage mich, ob das immer noch Selbstfürsorge ist, wenn es sich so schwer anfühlt. Wenn wir uns selbst beschützen und in Sicherheit bringen, wenn wir uns darum kümmern, nicht unterzugehen, aber dabei ständig rudern müssen. Ich bin mir nicht sicher, wie ich diese Frage für mich beantworten soll.
Denn was ich auch gerade lerne ist dies: Stabilität im Außen ist manchmal auch nur ein Pflaster. Sie zahlt die Miete und stabilisiert deine äußere Welt. Aber sie kann dich innerlich nicht nähren. Und ohne innere Sicherheit gerät alles ins Wanken.
Wir verlieren den Halt, das Vertrauen und die Kraft zur Veränderung. Diese Art von Stabilität ist wie eine Fassade, die wir aufrechterhalten, während wir innerlich immer mehr erschöpfen.
Die Möglichkeiten und Grenzen der Selbstfürsorge
Im Moment fühlt sich mein Leben und Business so an, als könnte ich nur eins von beidem haben: Sicherheit oder Freiheit. Und dort stecke ich gerade fest.
Ich weiß, dass das nur eine Phase ist. Es ist ein Übergang, in dem das Alte mich nicht mehr trägt und ich das Neue noch nicht greifen kann. Und dieser Zwischenraum fühlt sich für mich gerade so eng und bedrückend an, dass ich kaum für mehr Energie habe, als mich von einem in den nächsten Tag zu schleppen.
In solchen Phasen tendiere ich dann auch dazu, meine Selbstfürsorge zu vernachlässigen. Ich weiß, was ich brauche, was mir guttut, welche Routinen mich stärken, was mich trägt und stabilisiert.
All meine kleinen Rituale, meine Yogapraxis und Meditation, meine Ernährung, achtsamer Rückzug, Stille, Körperbewusstsein und Nervensystem-Regulation. Ich weiß das alles und doch ist mir alles zu viel und ich weiß, dass ich dadurch noch tiefer sinke in eine Lähmung und Ohnmacht.
Und ich weiß auch, wie schwierig es ist, wieder hinauszufinden, wenn man erst einmal wieder in dieses dunkle Loch gesunken ist. Weil ich dann nur noch im Funktionsmodus bin und keine Motivation habe, irgendetwas zu verändern.
Und manchmal ist es vielleicht das Fürsorglichste, was wir für uns selbst tun können, diesen Punkt zu erkennen und uns Unterstützung zu holen. Nicht alles runterzuschlucken und zu verstecken, sondern sichtbar zu machen, was gerade los ist.
Ehrliche Selbstfürsorge in kleinen Schritten
Meine Selfcare-Routinen können mich gerade nicht retten. Sie machen das, was gerade in meinem Leben und Business passiert nicht besser oder schöner. Aber sie helfen mir dabei, nicht vollständig zu versinken.
Ich weiß noch nicht, wie es weitergeht. Deshalb teile ich diesen Blogbeitrag nicht nur mit euch, ich schreibe ihn auch an mich selbst. Weil diese Phase auch ein Teil von mir und meiner Entwicklung ist. Weil ich sie nicht betäuben will, ich will sie auch nicht nach außen verschleiern und so tun, als wäre alles in bester Ordnung.
Aber manchmal bedeutet Selfcare vielleicht nicht mehr und nicht weniger, als diesen Tiefpunkt anzuerkennen und uns selbst zu halten. Und ganz langsam und behutsam einen Weg zu finden, wie wir nach Rückschlägen und Niederlagen wieder ins Vertrauen finden.
Selbstfürsorge hilft mir dabei, mich nicht komplett im Machen, Tun und Funktionieren zu verlieren. Wieder zu lernen, Sicherheit aus mir selbst zu schöpfen und aus dieser inneren Haltung auch wieder Stabilität im Außen zu finden – nicht umgekehrt.
Wenn wir gerade an einem Tiefpunkt sind, bedeutet das auch, Geduld zu haben und ganz kleine, machbare Schritte zu gehen. So viel Echtheit zurück ins Leben zu bringen, wie ich gerade schaffe. Mich so weit aufzurichten, so viel zu spüren, wie es gerade geht.
Mich nicht den Umständen zu ergeben, sondern immer noch zu spüren: ich bin hier, ich bin bei mir. Ich führe mich selbst in meinem Tempo, ich wähle und entscheide. Ich bin für mich da. Jeden Tag und immer wieder neu.



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